Von den Rockies nach Whistler

Am Tag zuvor wurden wir von einer Mitarbeiterin in einem Café noch ausgelacht, dass wir die Strecke nach Whistler nicht schnell noch Nachmittags beginnen. So weit sei es ja nun auch nicht. Wir entscheiden uns die knapp neunstündige Fahrt auf zwei Tage zu strecken. Und wir liegen gut damit. Denn erst verbringen wir die ersten 15 Minuten vor einem Bahnübergang um dann nach knapp zwei Stunden Fahrt für 30 Minuten vor einer Baustelle darauf zu warten, dass man uns weiterwinkt. 

Die Strecke ist schön, aber relativ unspektakulär. Für das Abendessen und einen kurzen Spaziergang um die Beine auszuschütteln, stoppen wir an den Bride Lake Ice Caves. Keinen Umweg wert, aber wenn man dran vorbei kommt einen Stopp wert. 
Allerdings wollen wir am Folgetag nicht zu viel fahren und fahren wir noch ein Stück weiter und verbringen wir die Nacht frei stehend mit Blick auf eine Bergkette irgendwo bei Cache Creek. 

Whistler

Die letzten Kilometer von Cache Creek nach Whistler auf dem Sea to Sky Highway sind dann visuell wieder spannender als die erste Hälfte des Weges. Allerdings sind unsere Ansprüche seit dem Icefields Parkway auch unerhört hoch geworden. 

Den Start der Erkundung in und um Whistler beginnen wir beim Nairn Falls Provincial Park. Ein kleiner Naturpark mit recht schönen Wasserfällen die Assoziationen mit Waschmaschinen wachwerden lassen. Nicht tagesfüllend, aber zum Ausschütteln der Beine genau das Richtige.

Nach einer faulen Pause in der Sonne am Campingplatz, entscheiden wir uns noch die Peak 2 Peak Gondola zu fahren. Ein technisches und visuelles Highlight. Hochmotiviert im Anschluss an die Gondelfahrt auch noch auf den Gipfel des Black Comb Peak zu laufen, machen wir uns auf den Weg. Auch am Lift versichert man uns, dass wir es mit unserem Fitnessstand schaffen sollten, bevor die Bahn auf der anderen Seite des Tals wieder runterfährt. Also nehmen wir den ersten Teil mit der Gondel rauf zum Whistler Mountain auf uns und gehen rüber zur Peak 2 Peak Gondola. Dort stellen wir uns für eine Gondel mit Glasboden an. Und warten. Sehr lang. Noch länger. Zu lange. Denn die Bahn steht für 40 Minuten.

Als wir dann die wirklich spektakuläre, 11-minütige Seilbahnfahrt hinter uns gebracht haben, zeigt sich aber, dass die Zeit jetzt nicht mehr reicht, um auf den Gipfel zu laufen und noch die Gondel zurück ins Tal zu nehmen. Für eine Wanderung in der Dunkelheit sind wir leider nicht ausgerüstet (das Equipment dafür liegt warm und trocken im Camper) und wir müssen bereits nach einem kurzen Spaziergang über das Plateau den Weg nach unten antreten. 

Dabei schaut Malte sehnsüchtig auf den riesigen Bikepark in Whistler, den man wunderbar von der Gondel aus überblicken kann. 

Garibaldi Lake

Auch wir können uns Instagramm Hypes nicht ganz entziehen und hatten daher die Joffre Lakes als Fotohighlight auf dem Plan. Bereits vor Antritt der Reise lasen wir dann aber, dass dieser See für Touristen gesperrt wurde, da Mitglieder der Lilwat Nation und der N’Quatqua First Nation für zwei Monate dort kulturelle und spirituelle Zeremonien durchführen können. Ehrlicherweise freuen wir uns darüber, dass zumindest ab und an noch auf die Bräuche Indigenen Rücksicht genommen wird, die bereits vor Ankunft der weißen Siedler diese Gebiete bewohnt haben. Vermutlich ist es nicht genug Rücksicht, aber immerhin etwas. 

Als Alternative haben wir uns den Garibaldi Lake ausgesucht. Dieser soll ebenfalls das wunderschöne Blau der Joffre Lakes haben, allerdings ist die Wanderung dort hin konditionell ein wenig anspruchsvoller. Wir beschließen recht zeitig loszuziehen und machen uns auf den Weg. Tatsächlich geht es von Anfang an stetig in Serpentinen durch den Wald den Berg hinauf, bis man sich nach einiger Zeit der See vor einem öffnet. Und passend dazu strahlt die Sonne und wir können tatsächlich die wundervollen Farben mit dem Bergpanorama im Hintergrund genießen. 

Neu für uns: Der Campspot vor Ort ist hat bärensichere Lagerungsmöglichkeiten für Rucksäcke und Essen.

Auf dem Rückweg zurück zum Parkplatz kommen uns dann genau zwei Arten von Gruppen entgegen. 

  1. Gruppe: Gut ausgestattet und offensichtlich mit dem richtigen Fitnesslevel
  2. Gruppe: Instagraminfluenzer, bzw. solche die es werden wollen. Ein Liter Wasser zu zweit. Klar. Reicht. Im Rucksack nur Kleidchen statt Snacks? Sicher. Uns 400 Meter vom Parkplatz weg fragen wie weit es noch ist und von der Aussage: „noch so 7,5km bis zum See“ schockiert sein? Selbstverständlich.

Daher ist es nur nachvollziehbar, dass jeden Tag eine Parkrangerin ihren Dienst am Parkplatz versieht und Abends die 3,5 Stunden Wanderung noch einmal macht, um übriggebliebene Social Media Menschen einzusammeln und ggf. zu retten. Auf Nachfrage teilt sie mit, dass es leider viel zu oft passiert. 

Wanderung: Garibaldi Lake 

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