Der Icefields Parkway

Es gibt in jedem Land und fast schon in jeder Region sogenannte Panoramastraßen. Während sie an anderen Orten der Welt gerne mal enttäuschend sind oder zumindest nicht die Erwartungen erfüllen, übertrifft der Icefields Parkway diese. Die Strecke von Banff nach Jasper bietet vielleicht die spektakulärsten Aussichten, die wir jemals aus einem Auto heraus gesehen haben. 

Für die 233 Kilometer brauchen wir den ganzen Tag und wenn wir ehrlich sind, dann hätte die eine oder andere Übernachtung in der Mitte nicht geschadet. Wir können uns einfach nicht an den unglaublichen Bergpanoramen, Wäldern, Gletschern und Seen sattsehen. Umgeben von unzähligen 3000ern sind wir jetzt nicht nur auf Österreich und die Schweiz neidisch, sondern Kanada reiht sich auch noch gleich mit ein. Am liebsten möchten wir alle paar Meter stoppen und ein weiteres Foto schießen – entdeckt Ramona mit einem Bären am Fluss doch das Kanada-Stereotyp schlechthin. Tatsächlich müssen wir aber auf Grund unseres Zeitplans ein wenig priorisieren und entscheiden uns für längere Stops am Crowfoot Glacier, Lake, Peyto Lake und den Tangle Falls.

So wunderschön diese Route mitten durch Wasserfälle und schneebedeckte Gipfel ist, kann man sich auch in Kanada wohl nicht ganz gegen das nordamerikanische „Alles ist möglich“-Motto wehren. 

Anders ist es nicht zu erklären, dass mit Spezialreisebussen mit Ketten an den Reifen den Athabasca-Gletscher hinaufgefahren wird. Der Blick von unten auf diese massive Eiswand reicht offenbar nicht aus. Während man in den Alpen nur mit perfekter Ausrüstung und entsprechenden Fähigkeiten die ehrfurchtgebietende Gletscher besteigt und in Norwegen Schilder aufstellt, wie weit die Gletscherzungen in den letzten Jahren schon abgeschmolzen sind, trifft man hier auf das Kontrastprogramm. 

Jasper

Wir setzen unseren Weg lieber ohne dieses „Abenteuer“ nach Norden fort und erreichen einen Ort, der es im Jahr 2024 in die weltweiten Medien geschafft hat. Der Ski- und Freizeitort Jasper wurde bei einem historisch großen Waldbrand bis auf wenige Häuser fast völlig zerstört. Als wir 2024 die Bilder im Fernsehen sehen, ist es für uns völlig unfassbar. Sind wir doch nur knapp ein halbes Jahr vorher durch diese beschauliche kleine Stadt geschlendert und haben uns unsere tägliche Ration Zimtschnecken gegönnt. 

Noch nichts von der Katastrophe im Folgejahr ahnend, erwandern wir uns die Umgebung von Jasper. Wunderschön ist der Blick auf den Mount Edith Cavell mit dem Gletschersee zu seinen Füßen, aber noch besser wird der absolute 360°C-Blick eröffnet sich erst weiter oben. Und noch weiter oben. 

Wanderung: Edith Cavell Meadows

Nach einer kurzen Fahrt werden die Beine von der anspruchsvolleren Wanderung des Edith Cavell Trails ausgeschüttelt und die „Five Lakes“ erkundet. Der kanadische Sommer sorgt für eine wundervolle Kulisse an den tiefblauen, tiefgrünen und tiefschwarzen Seen. Es ist geradezu verlockend in das teilweise glasklare Wasser zu springen. Als wir jedoch die Füße ins Wasser halten, wird dieser Gedanke extrem schnell zur Seite geschoben. A****kalt trifft es wohl am besten. Aber wunderschön bleibt es trotzdem.

Wanderung: Valley of the Five Lakes

Reise weiter

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

Beitragskommentare